Familie Blatter

3'100 Kilometer Fahrspass - Kurven, Kurven, Kurven - ausgezeichnetes Wetter - ein komfortables Hotel - eine lustige Clique, das ist die stichwortartige Zusammenfassung der Töfftour nach Sardinien. Hier nun aber noch etwas ausführlicher das Tagebuch unserer Reise:

Freitag, 9. September

Aufgrund der schlechten Wetterprognose haben wir beschlossen, Bremgarten - Genua direttisima zu fahren. Myrtha musste noch bis 9 Uhr arbeiten. Wir fuhren deshalb bis Bellinzona in 2 Gruppen. Annemarie, Susi und 3x Hans (1x normal, 1x mit ruedi und 1x mit jörg) waren eine Gruppe. Bethli, Myrtha, Heiri und Heinz die 2. Gruppe. Ich schlug vor, die Autobahn bei Mendrisio zu verlassen und via Varese zur A9 zu fahren. Bei Varese hat dann der Umstand, dass in Italien die Strassen alles andere als genau vermessen sind, bei meinem GPS zu Unklarheiten geführt und so wurde aus der direttissima eine longissima. Ab Bellinzona hat es geregnet und in der Region Alessandria sind wir ein Gewitter vom feinsten gekommen. Aber weil wir um 4 Uhr in Genua verladen mussten, konnten wir uns nicht in den Schärmen stellen. Punkt 4 Uhr haben wir dann auch den Treffpunkt bei der Fähre erreicht, wo uns Rolf mit seinen Helfern schon erwartete.

Die nächtliche Ueberfahrt mit der Fähre nach Olbia war angenehm und ruhig.

Samstag, 10. September

Vor dem Verlassen der Fähre haben wir auf einmal Peter und Manuela entdeckt, die auch Töffferien in Sardinien gebucht haben. Wir haben sie letztes Jahr in Hermagor kennengelernt und dann auch wieder zufällig in Graz getroffen. Die Welt ist klein.

Nach einer kurzen Stärkung in einer kleinen Hafenbeiz haben wir die rund 90 Kilometer nach Cala Liberotto zurückgelegt. Wir, das heisst total 26 Teilnehmer mit insgesamt 16 Töffs, sind im Clubhotel Tirreno untergebracht.

Unsere kurze Auftakttour (150 km) am Nachmittag führte uns über Siniscola, Lode, Bitti und Orosei. Die Gruppe Espresso holte alles aus ihren Motorrädern heraus; die Gruppe Capuccino nicht es etwas, aber wirklich nur etwas gemächlicher.

Nach einem sensationellen Abendbuffet war schon bald einmal Lichterlöschen. Noch etwas müde vor der Ueberfahrt wollten wir für den ersten richtigen Tourentag möglichst fit sein.

 

Sonntag, 11. September

Gestärkt nach einem reichhaltigen Zmorge sind wir um halb 10 Uhr zur Tagestour (280 km) gestartet. Sie führte uns über Orosei und Dorgali hinunter ans Meer nach Cala Gonone zu einem Kaffeehalt mit ersten Unsicherheiten. Darf ich als Mitglied der Gruppe Capuccino auch einen Espresso trinken? Ich darf, die Gruppe ist unkompliziert. Von Cala Gonore nach Genna Croce konnten wir uns versichern, dass es tatsächlich Kurven, Kurven, Kurven hat, Gottseidank aber auch sehr gut ausgebaute Strassen. Rolf hat einen PW auf dem Hinterrad überholt, nun will Bethli immer, dass ich das auch einmal versuche. Weiter gings über Talana, Villanova Strisaili zum Mittagessen nach Santa Barbara. Bereits in Villanova musste ich Lehrgeld zahlen; einem jungen Autofahrer, der mich absichtlich beinahe abgeschossen hat, habe ich den Stinkfinger gezeigt. Nach einer Vollbremsung und einem kurzen Handgemenge hat der Heisssporn seinen Schwanz eingezogen und Heiri musste nicht eingreifen. Dann habe ich erfahren, dass es in Italien immer etwas Warmes gibt, die kalte Platte nur als Vorspeise gilt und nicht nachbestellt werden muss.

Die Nachmittagsrunde führte uns zurück nach Villanova, über den Pso di Caravai nach Fonni, Mamoiada, Orgosolo (bekannt durch den Widerstand anfangs der 80-Jahre gegen die Nato-Pläne. Sie haben sich gewehrt und namhafte Politiker entführt und wochenlang in den Wäldern um Orgosolo versteckt gehalten.), Oliena, la Traversa, Orosei zurück nach Cala Liberotto.

 

Montag, 12. September

Das vorausgesagte Tief ist bisher nicht eingetroffen. Trotzdem konnten wir die Tagestour nicht wie vorgesehen durchführen, weil noch nicht alle Strassen passierbar waren. Die verkürzte Strecke führte uns über Siniscola, Lula, Bitti, Nuora, Mamoiada, Fonni, Gavoi, Orani, Nuoro, Oliena, Orisei, Cala Liberotto (270 km). Am Nachmittag hat uns Frank zu einer Quelle geführt, die das glasklare Wasser eiskalt aus dem Felsen freigibt. Anstelle des obligaten Drinks nach der Tagestour waren einige Fahrer des Espresso-Teams gezwungen, sich nach einem Pneuhändler umzusehen. Und Heiri musste am Abend noch seinen Ständer vom Kuhdreck befreien.

 

Dienstag, 13. September

Dorgali - Baunei - Lotzorai - Lanusei - Gairo - Ussasai - Seui - Aritzo - Tonara - Gavoi - Mamoiada - Orgosolo - Nuoro - Orosei - Cala Liberotto. Diese Aufzählung bedeutet 350 Kilometer Kurven, Kurven, Kurven. Waren es 1500, oder 2000? Keine Ahnung, auf jeden Fall genug. Meine Fussrasten haben noch nie soviel gefunkt wie am heutigen Tag. Heiri hat gezeigt, dass er besser fährt als anhält. Daniels Tank war ausgerechnet 300 Meter vor einer Tankstelle trocken. Viele Tankstellen haben bis 3 Uhr Mittagspause. Ich habe Rolf ein wenig, aber nur ein wenig nervös gemacht. Und in Orosei sah man verschiedene Schweizer Töfffahrer beim Pneuwechseln.

 

Mittwoch, 14. September

Nach der gestrigen, langen Etappe war die heutige Tagesstrecke gerade richtig. 250 Kilometer kreuz und quer in der "näheren" Umgebung von Cala Liberotto, jedoch nicht so kurvig sorgten für eine Abwechslung. Beim ersten Halt hat sich Hansjörg als Geburtstagskind geoutet. An Abend haben dann Rolf und Frank für uns am Strand gegrillt und das warme Lagerfeuer hat meine Gedanken rund 40 Jahre zurückversetzt. Bethli und ich, das heisst insbesondere ich, sind die Aeltesten der Gruppe, trotzdem fühlen wir uns sehr wohl.

 

Donnerstag, 15. September

Eigentlich war heute unser freier Tag. Die Gelegenheit, zusammen mit Myrtha und Heiri ein wenig den Norden Sardiniens zu erkunden. Dieser Gelegenheit haben sich weitere "Teams" angeschlossen, und so waren wir am Ende eine 9er-Gruppe. Im stockenden Berufsverkehr, verbunden mit einem Stau wegen eines Unfalls, haben wir mit einiger Verspätung Olbia erreicht. Von hier gings weiter nach Arzachena - Palau - S. Teresa (Mittagshalt) - Paduledda - Aggius (bizzarre Felsformationen) - Tempio - Calangius - Telti - Loiri (die kleine Verbindungsstrasse hätten wir ohne GPS nie gefunden) - Cala Liberotto (352 km).

 

Freitag, 16. September

Nachdem Thomas neue Hinterreifen aufgezogen hat, sind wir mit 4 Motorrädern über Orosei - Dorgali - Bitti gefahren. Beim ersten Kaffeehalt hiess es "Ristorante chiuso". Wir mussten noch rund 50 Kilometer weiter fahren, um in Pattada ein geeignetes Lokal für einen Drink zu finden. Weiter gings über Orzieri - Bono - Bottida, wo uns der spendable Hansjörg zum Mittagessen einlud, was ihn schliesslich 14 Euro kosten sollte. Fonni - Talana (herrliche Aussicht) - Urzulei - Cala Conone waren die nächsten Stationen. Das GPS führte uns dann über einen letzten, malerischen Schleichweg zurück nach Cala Liberotto, wo Neptun mit einem Fisch- und Meeresfrüchte-Buffet auf uns wartete (356 km).

 

Samstag, 17. September

Manchmal muss man einfach Glück haben. Wir haben beschlossen, am letzten Tag wohl noch Töff zu fahren, jedoch in der Nähe von Olbia zu bleiben. Der erste Teil der Etappe (150 km) führte uns nach Siniscola - Lodé - Budduso - Ala dei Sardi - und Padru nach Olbia. Kaum im Hafen angekommen, begann es wie aus Kübeln zu schütten. Kurz vor 6 Uhr schloss Petrus seine Schleusen und wir konnten noch schnell zum Nachtessen ins Städtchen fahren. Leider hat es Thomas wieder nicht zu einer Pizza gereicht.

 

Sonntag, 18. September

Auch auf der Heimfahrt (420 km) hatten wir mehr oder weniger Wetterglück. Nur in der Gegend von Alessandria regnete es ein wenig. Dafür wurde es immer kälter, je näher wir der Schweizer Grenze kamen. In der Burg Attinghausen haben wir noch ein feines Güggeli verzehrt, bevor es auf die letzten 70 Kilometer unserer Töffreise ging.

Dass man nach so einer anstrengenden Tour auch als Opa noch genügend Reserven hat, um den Töff elegant zu versorgen, seht ihr

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